bpt12 Nachbetrachtung

Am letzten Wochenende fand mein erster Bundesparteitag statt. Und ich möchte mir das Gefühl bewahren, mit dem ich in Berlin wieder aus dem Zug stieg. Denn dieses Gefühl ist es, was mich im Moment antreibt. Was mich dazu bringt plötzlich Podcast zu hören, Mailinglisten zu abonnieren, Streams aus dem AGH und dem Bundestag zu sehen, Zeitung zu lesen, Wiki-Seiten über unsere Regierungsform zu lesen und Bücher aus der Abteilung Politik und Geschichte zu kaufen. Alles das hab ich vorher nicht gemacht. Ich machte bei Wahlen Kreuze ohne zu verstehen, welches welche Auswirkung hat. Ich wählte die Grünen ohne ein einzigens Programm von irgendeiner Partei gelesen zu haben. Ich hatte das System nicht verstanden. Ich hatte mich nicht dafür interessiert. Ich hatte den Aufwand gescheut mich da einzuarbeiten.
Und was ist jetzt anders? Was bei meiner Crew im Kleinen passiert, passiert auf dem Parteitag im Großen. Ich kann mitmachen. Ich kann mich einbringen. Ich kann Einfluss nehmen. Ich kann etwas verändern. Ich habe nicht nur die Möglichkeit dazu, es wird explizit verlangt! Jeder soll mitmachen, überall wird Hilfe gebraucht. Ich verstehe immer noch nicht wie alles funktioniert, aber die Piratenpartei hat es geschafft mein Interesse zu wecken und mich neugierig zu machen. Jetzt will ich unbedingt wissen wie die Zusammenhänge sind, warum etwas so ist wie es ist und nicht anders und ob es verbessert werden kann.
Meiner Meinung nach ist das erstaunlich. Ich bin jemand in dessen Familie Politik nie ein Thema war und der das Schulfach todlangweilig fand. Dass ich überhaupt in irgendeiner Partei Mitglied werde bzw. jemals zu einem Parteitag fahre, war vor einem halben Jahr nicht nur unvorstellbar sondern war überhaupt keine Option. Ich wäre gar nicht auf die Idee gekommen darüber nachzudenken. Ich habe das Gefühl mich, was Politik betrifft, um 180 Grad gedreht zu haben.
Und auf dem Parteitag habe ich für mich erneut festgestellt, dass ich hier genau richtig bin. Ich habe mich sauwohl gefühlt. Ich habe mich sogar mit wildfremden Menschen unterhalten, einfach weil einer Atmosphäre vermittelt wird, dass jeder Mensch ersteinmal was sagen darf.
Außerdem habe ich auch viel gelernt. Zum Beispiel, dass es nicht reicht, sich bei einem Wahlparteitag auf die Kandidaten vorzubereiten. Ich hatte zwar eine Wählbar-, Nichtwählbar- und Weißnochnicht-Liste, aber ich habe mir nicht einen einzigen Satzungsänderungsantrag angesehen. Wenn ich vorher von den Anträgen für die Mitgliedsbeitragerhöhung gewusst hätte, hätte ich vielleicht Argumente oder Fragen formulieren können, die zeigen, dass eine Erhöhung nicht so toll ist und wahrscheinlich hätte ich sogar den Mut gehabt sie vorzutragen. Außerdem lese ich vermehrt, dass wir uns die Schiedsgerichtsordnung zerschossen haben. Ob es stimmt? WTF Keine Ahnung, aber das liegt daran, dass ich mir vorher keine Meinung gebildet habe obwohl ja genug Zeit dafür war. Auf den nächsten Parteitag bin ich jedenfalls besser vorbereitet.
Was ich auch schade finde: ich habe fast niemanden aus Berlin neu kennen gelernt. (ja ich weiß, ist meine Eigeneselberschuld n_n) Ich schreibe z.B. bei Twitter mit Leuten, bei denen ich nichteinmal weiß wie sie aussehen🙂 Ich bin mir allerdings sicher, dass es hier in Crews und Squads genug Gelegenheiten geben wird, das nachzuholen.
Eine der größten Auswirkungen, die dieser Parteitag bzw. meine Mitgliedschaft hat, ist, dass in meiner Umgebung jetzt über Politik gesprochen wird. Ich bin der Meinung das war vorher nicht der Fall oder ich hab es einfach nicht wahrgenommen. Plötzlich ist das Thema am Kaffeetisch das sehr wohl vorhandene Programm der Piratenpartei. Es wird über Betreuungsgeld, Hartz4, BGE und das Sozialsystem an sich gesprochen und ich kann wirklich zur Diskusion beitragend mitreden! Dank des Kegelclubs, den ich beim bpt12 auch kurz beobachten konnte, bin ich seit kurzem sensibilisiert für Alltagssexismus, -diskriminierung und -rassissmus und schlage die Hände über dem Kopf zusammen, wenn ich höre was manche so von sich geben. Es gibt noch sooo viel zu tun. Ich weiß oft gar nicht wo ich anfangen soll. Wo ist es am nötigsten? Wo ist es am wichtigsten? Wo kann ich überhaupt was machen? Wo ist es gewünscht? Und dann gibt es überall Leute, die sagen „Es ist eben so“, „So ist es schon immer“, „Du Kannst gar nichts machen“, „Du musst so werden wie die anderen, wenn du was erreichen willst“. Das Gefühl mit dem ich am Sonntag aus dem Zug stieg, war dass ich eben doch was ändern kann. Zusammen mit ganz vielen anderen Menschen, die auch etwas bewegen wollen ohne sich selbst zu verleugnen oder ihre Ideale aufzugeben. Ich bin voll Tatendrang und motiviert und dieses Gefühl ist einfach wunderbar.

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Finde den Fehler!

Person1: „Diejenigen im Abgeordnetenhaus, die auch auf einer Bezirksliste standen, sind doch nur ins Abgeordnetenhaus gegangen, weil es dort mehr Geld gibt.“

Person2: „Was? Das glaub ich nicht! Das kann doch nicht der Grund dafür sein, sich für das AGH zu entscheiden.“

Person3: „Doch, na klar.“

Person2: „Nein. Es gibt viele andere Gründe ins AGH zu gehen anstatt in der BVV zu sein. Die BVV kann doch gar nichts machen. Nur im AGH können Sachen wirklich beschlossen werden.“

Person4: „Die BVV kann das Bezirksamt anhalten etwas zu beschließen.“

Person2: „Aber ist das Bezirksamt dann auch verpflichtet das umzusetzen?“

Person4: „Nein“

Person1: „Echt nicht?“

Person2: „Siehste! Also, wenn ich die Wahl hätte, würde ich auch ins AGH gehen.“

Person4: „Naja, du musst auch wissen, dass die die ins Abgeordnetenhaus gegangen sind vorher arbeitslos waren, also ist doch auch klar, dass die dann ins AGH gehen, weil sie dort Geld bekommen. Das Geld ist also schon DER Grund sich für das AGH und nicht für die BVV zu entscheiden.“

Person2: „Das heißt, selbst wenn alle anderen Argumente dagegen sprechen würden, zieht immer noch das Geld-Argument?“

Person4: „Ja“

Person2: „Nein, das will ich nicht glauben!“

Augen rollen und und missbilligendes Gestöhne bei den anderen.

Person2: „Das würde ja bedeuten, Piraten-Politiker sind so wie alle anderen Politiker.“

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Gedanken zu Liquid Feedback

Die Idee Liquid Democracy und die  Software Liquid Feedback gehen mir seit der Landesmitgliederversammlung Berlin nicht mehr aus dem Kopf. Oder besser gesagt: Sie spuken regelrecht durch mein Hirn und halten mich wach. Beim der LMVB gab es einen Satzungsänderungsantrag, der die Einführung von Klarnamen forderte (der Antrag wurde nicht angenommen). Jemand hat bei der LMVB gesagt, um basisdemokratisch Politik machen zu können, brauchen wir etwas, das uns zur Meinungsbildung befähigt und unseren Entscheidungsprozess unterstützt, ohne dass wir uns an einem Ort treffen müssen. Aber es muss nachvollziehbar sein, dass keine Sockenpuppen mit abstimmen. Ja, das sehe ich genauso und wollte für den Antrag stimmen. Dann meinte jemand anderes, dass er nicht möchte, dass sein Abstimmverhalten gespeichert wird und jeder sehen kann, wie er abgestimmt hat. Stimmt, denk ich mir und will dann gegen den Antrag stimmen. So ging das hin und her und meine Meinung änderte sich mit fast jedem Für- und Gegensprecher. Hier wird dieses Dilemma ganz wunderbar beschrieben. Für mich ganz persönlich bedeutet das: Ich kann nicht schlafen, weil ich mir denke: Es muss doch eine Lösung geben!

Was spricht denn gegen Klarnamen:
Auf der LMVB hab ich das erste Mal Partei-Abstimmungen miterlebt und auch selbst mitgemacht. Öffentliche Abstimmungen laufen so, dass die Leute ihre blauen oder roten Karten hochhalten, wenn sie ja oder nein stimmen wollen. Ich sah, wie die Leute an meinem Tisch abgestimmt haben. Einen kenne ich namentlich und bei Dreien würde es mir bestimmt nicht schwer fallen herauszubekommen, wer sie sind. Die Leute am Nachbartisch kannte ich nich. Wahrscheinlich könnte ich bei einer Gegenüberstellung nicht einmal sicher sagen, wer die Leute waren. Wer hinter mir welche Karte hochgehalten hat, konnte ich nicht sehen.
Das bedeutet also: Ich kann niemals sagen wer für was wie gestimmt hat und selbst bei den Menschen an meinem Tissch weiß ich nicht mehr, wann wer seine rote oder blaue Karte hochgehalten hat.

Im nachinhein ist die Abstimmung also anonym. Was zählt ist das Ergebnis. Welche Sachen wurden angenommen, abgelehnt, manchmal wird gezählt, in welchem Verhältnis Zustimmung und Ablehnung stehen.

In einem Liquid Feedback mit Klarnamen wäre das aber anders. Hier wurde genau stehen wer für was gestimmt hat. Undzwar länger, als ein Versammlungsleiter benötigt um festzustellen, ob die Meinung eher positiv oder negativ ausfallt. Und warum? Na damit man dem Ergebnis glauben kann. Das Ergebnis ist nur nutzbar, wenn durch die Software sichergestellt werden kann, dass keine Manipulation statt gefunden hat (richtiger wäre: dass die Wahrscheinlichkeit der Manipulation möglichst gering ist). Also, dass sich nicht irgendwelche Nazis, Konzerne, andere Parteien oder sonstwie böse Menschen das Abstimmungsergebnis beeinflussen, obwohl sie nicht dazu berechtigt sind. Es muss auch sichergestellt werden, dass z.b. in Berlin nur Leute abstimmen, die auch in Berlin wohnen, die noch am Leben sind, ihren Mietgleidbeitrag bezahlt haben usw. Und das geht nur, wenn man den Accounts auf irgendeine Art und Weise mit einer natürlichen Person in Verbindung bringen kann.

Es gibt also zwei Probleme:
1. Persönliche Daten, die in einem System gespeichert werden sollen
2. Große Unsicherheit, ob Ergebnisse manipuliert wurden oder nicht

Für einen kleinen Teil ist mir etwas eingefallen. Wobei ich nicht weiß ob die Funktion vielleicht schon implementiert ist oder geplant ist oder ob darüber bereits nachgedacht wurde. Es geht um die Daten, die bei einer Abstimmung erhoben werden. Eigentlich ist es nur sonlange nötig, die Daten, wer für was abgestimmt hat, zu behalten, bis jemand entscheidet, dass das Ergebnis gültig ist und es abspeichert. Auf eine Mitgliederversammlung übertragen, würde das bedeuten: Jeder hält seine Karte eine Woche lang hoch und danach gilt das Ergebnis, es sein denn jemand hat irgendwo Sockenpuppen entdeckt, die illegaler Weise auch Karten hoch halten. Danach nimmt jeder seine Karte runter > im System werden die Daten, wer für was abgestimmt hat, gelöscht und nur das Ergebnis wird behalten und gesichert. Das kann dann noch durch hashwertezeugs vor Manipulation geschützt werden. Und nein, ich denke eine Woche ist nicht zu lang. Ich könnte auch mit 4 Wochen noch gut leben.
Danach sind die Abstimmungpersonendaten weg, ein Video vom Parteitag konnte jemand der lustig ist noch Jahre später auf „Falschwähler“ hin untersuchen. (ja ich weis, man kann deine eine Woche lang Screenshots machen…man kann Videos aber auch mit Gesichtserkennung auswerten… Ich leg mich gleich hin und mach nie wieder Politik… )

Was ich viel schwieriger finde ist die Akreditierung, also wie stellt mach sicher, dass die Leute echt sind und dürfen was sie vorhaben. Mir fallen da spontan Zertifikate ein oder Tanlisten oder ein USB-Stick mit einem Geheimnis, Das Haben-und-Wissen Prinzip. Sicherheit kostet Komfort und erhöht Einstiegsschranken (tolles Wort, wenn die hoch gemug sind, kann man vielleicht drunter durchgehen… ähm). Also abzuwägen ist der Aufwand, den man betreiben möchte für etwas weniger Unsicherheit, was die Gültigkeit des Ergebnisses angeht. Denn eine 100% Sicherheit gibt es bei keiner Software.

Was ich mich auch frage: Welche Daten werden überhaupt benötigt, um einen Benutzer als berechtigt und real zu identifizieren? Braucht man da wirklich den Klarnamen? Er könnte doch auch seinen Perso irgendo vorzeigen und dafür etwas bekommen, was es ihm ermöglicht an Liquid Feedback teilzunehmen (Ich weiß „der Aufwand“, aber das vielleicht der Preis, der gezahlt werden muss?) Für mich ist das Problem, dass ich noch zu wenig von dem ganzen Sicherheitskram verstehe und nicht weiß, wie die Software tickt. Ich hab bis jetzt auch nirgendwo eine Liste mit Funktionen, die das Liquid Feedback bereits umsetzt und welche geplant sind, gefunden. Aber ich hab mir schonmal den Quelltext runtergeladen und angefangen mir LUA anzuschauen, hab eine IDE eingerichtet und probier jetzt einfach mal in dem System da durchzublicken. Ich werde die Maillinglisten durchforsten und wenn ich das richtig aufgeschnappt habe, gibt es bereits Bezirke in Berlin die Klarnamen für ihr Liquid Feedback beschlossen haben. Da wird es ja Gründe für geben.

Ich finde die Idee Liquid Feedback super. Und ich möchte wissen, dass wenn ich da mit mache, meine Daten sicher sind. Vielleicht kann ich ja etwas dazu beitragen, wenn ich erstmal durchsehe.

Also es ist jetzt 5:14. Seht Piraten wozu ihr mich treibt *grml*

Rechtschreibfehler beseitige ich morgen später.

Update: Was ich schrieb, bezieht sich auf Abstimmungen und nicht auf Wahlen. Ich habe noch nicht darüber nachgedacht ob Wahlen, die verlässlich anonym und geheim sein müssen überhaupt implementierbar sind.

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Hello World

Dieses Blog entstand gerade, weil es 3:35 Uhr ist und ich nicht schlafen kann. Mir gehen gerade soviel Gedanken in meinem Kopf umher, dass ich keine Ruhe finde, bevor sie nicht geordnet sind.

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